Titel, die wir empfehlen

Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

 

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, undd weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vomWegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

 

Penguin TB, 352 S., 10 €

 

 

 

 

 

 

Castle Freeman: Männer mit Erfahrung

 

Lilian, die in einem kleinen Nest in Vermont lebt, fühlt sich von einem undurchsichtigen Typen namens Blackway verfolgt. Eines Morgens liegt ihre Katze tot vor der Tür. Ermordet von Blackway, davon ist sie überzeugt. Der Sheriff kann nichts für sie tun, daher sucht sie Hilfe bei einem Club kauziger alter Männer. Beeindruckt von ihrem Mut, stellen diese ihr den betagten Lester und den hünenhaften, etwas beschränkten Nate als Schutz zur Seite. Lilian traut den beiden nichts zu, aber sie lassen sich nicht abwimmeln und so verfolgen sie Blackway schließlich gemeinsam. Dieser Thriller besticht durch seinen schrägen Humor und seine ungleichen Helden.

 

Nagel u. Kimche, geb., 176 S., 18,90 €

 

 

 

 

 

 

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

 

Irgendwo in einer großen Stadt, in Westeuropa. Ein kleines Mädchen kommt auf den Markt, hat Hunger. Sie versteht kein Wort der Sprache, die man hier spricht. Doch wenn jemand "Polizei" sagt, beginnt sie zu schreien. Woher sie kommt? Warum sie hier ist? Wie sie heißt? Sie weiß es nicht. Yiza, sagt sie, also heißt sie von nun an Yiza. Als Yiza zwei Jungen trifft, die genauso alleine sind wie sie, tut sie sich mit ihnen zusammen. Sie kommen ins Heim und fliehen; sie brechen in ein leeres Haus ein, aber sie werden entdeckt.

Michael Köhlmeier erzählt voo einem Leben am Rande und von der kindlichen Kraft des Überlebens - ein Roman, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann.

 

Hanser, geb., 139 S., 18,90 €

 

 

 

 

 

Isabel Bogdan: Der Pfau

 

"Einer der Pfauen war verrückt geworden." Dummerweise geschieht das gerade, als Chefbankerin Liz und ihre vierköpfige Abteilung sich mitsamt einer Psychologin und einer Köchin zum Teambuilding in die ländliche Abgeschiedenheit der schottischen Highlands zurückgezogen haben. Der verrückt gewordene Pfau, das rustikale Ambiente und ein spontaner Wintereinbruch sorgen dafür, dass das Wochenende ganz anders verläuft als geplant. So viel Natur sind die Banker nicht gewohnt.

Isabel Bogdan, preisgekrönte Übersetzerin englischer Literatur, erzählt in ihrem ersten Roman pointenreich und überraschend von der pragmatischen Problemlösung durch Lord McIntosh, von der verbindenen Wirkung guten Essens undd einer erstaunlichen Verkettung von Ereignissen, die bald keiner der Beteiligten mehr durchschaut.

 

Kiepenheuer u. Witsch, geb., 256 S., 18,99 €

 

 

 

 

 

 

Timbuktu  (DVD, OmU)
 
Regisseur Sissako gelingt das Kunststück, das heikle und hochaktuelle Thema des religiösen Fundamentalismus mit einer Balance aus leiser Komik und gefühlvoller Tragik aufzuarbeiten. Dafür wurde sein Film 2015 mit einer Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film belohnt!

Kidane lebt friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und Issan, einem kleinen, 12 Jahre alten Hirtenjungen in den Dünen, nicht weit von Timbuktu, das in die Hände religiöser Fundamentalisten gefallen ist. In der Stadt erdulden die Einwohner ohnmächtig das Terrorregime, das von den Dschihadisten eingesetzt wurde, um ihren Glauben zu überwachen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen wurden verboten. Die Frauen sind zu Schatten geworden, die versuchen, würdevoll Widerstand zu leisten. Jeden Tag werden von auf die Schnelle eingesetzten Tribunalen tragische und absurde Strafen ausgesprochen. Kidane und seine Familie bleiben von dem Chaos in Timbuktu verschont. Aber ihr Schicksal ändert sich, als Kidane aus Versehen Amadou tötet, einen Fischer, der seine Lieblingskuh "GPS" schlachtete. Nun muss er sich den neuen Gesetzen der ausländischen Besatzer stellen.
 
Frankreich/Mali 2014, 97 Min
 
 
 
 
 
 

 

 

 

Bov Bjerg: Auerhaus

 

Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth - School - Work - Death abgeheftet werden.Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus. Eine Schüler-WG auf dem Dorf - unerhört. Aber sie wollen nicht nur ihr Leben retten, sondern vor allem das ihres besten Feundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll.

Bov Bjerg erzählt mitreißend und einfühlsam von Liebe, Freundschaft und sechs Idealisten, deren Einfallsreichtum nichts weniger ist als Notwehr gegen das Vorgefundene. Denn ihr Ringen um das Glück ist auch ein Kampf um Leben und Tod.

 

Aufbau TB, 240 S., 9,99 €

 

 

 

 

 

Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

 

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben - warum also die Karriere gefährden undd den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. 

Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

 

Kein & Aber, TB, 432 S., 13 €

 

 

 

 

 

Merle Kröger: Havarie

 

In einer windigen Nacht steigen zwölf Männer in ein Boot, versuchen Caragena zu erreichen. Unter dem hohen Sternenhimmel zieht majestätisch ein Kreuzfahrtschiff dahin. Ein deutscher Frachter verlässt den algerischen Hafen mit Kurs auf Dublin. Und die spanische Küstenwache hält sich bereit.

Ein Meer, vier Schiffe, verschiedene Perspektiven: Merle Krögers Roman ist ein seetüchtiger Actionthriller und ein messerscharfes Porträt Europas.

Die Autorin Merle Kröger lebt in Berlin und arbeitet als Filmemacherin, Produzentin, Drehbuch- und Romanautorin. Sie realisierte zahlreiche Dokumentarfilme, die erfolgreich auf deutschen und internationalen Festivals sowie im Fernsehen liefen.

 

Argument Verlag, geb., 256 S., 15 €

 

 

 

 

 

Dörte Hansen: Altes Land

 

Zwei Frauen, ein altes Haus undd eine Art von Familie.

Das "Polackenkind" ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen- und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie gesucht haben: Eine Familie.

 

Penguin TB, 304 S., 10 €

Alan Carte: Prime Cut

 

Hopetoun,Westaustralien: In der Nickelabbau-Boomtown wird ein kopfloser menschlicher Torso ans Ufer geschwemmt. Gelegenheit für den in Ungnade gefallenen ehemaligen Vorzeigebullen Cato Kwong, sich zu beweisen. Der Polizist chinesischer Abstammung will weg von dem Posten, auf den er zwangsversetzt wurde.

Gleichzeitig sucht der britische Ex-Detective Stuart Miller nach einem Mann, der vor 30 Jahren in England seine eigene Familie umgebracht hat und nun in Australien aufgetaucht zu sein scheint. Als es auch unter den Polizisten Tote gibt, muss Cato feststellen, dass er zwar den kriminellen Bodensatz der Stadt aufgewühlt hat, aber der Lösung nicht näher gekommen ist.

Prime Cut hat alles, was ein Spitzenkrimi braucht: Der Außenseiter Cato Kwong ist ein vielschichtiger Ermittler und hat das Zeug zum Serienhelden. Der Dokumentarfilmer Alan Carter zeichnet die Atmosphäre der kleinen Minenstadt am Rand der Welt mit britischem Wortwitz und großem Gespür für soziale Brüche.

 

Nautilus, kart., 368 S., 19,90 €

 

 

 

 

Andreas Dorau / Sven Regener: Ärger mit der Unsterblichkeit

 

Mit 15 bescherte Andreas Dorau der Neuen Deutschen Welle ihren mutmaßlich exzentrischsten Hit: Fred vom Jupiter". Mit 30 verwirrte er die Münchener Filmhochschule mit seiner Abschlußarbeit "Schlag dein Tier" - eine fröhliche Quizshow, in der Menschen gegen ihre Haustiere antreten (und bei der natürlich immer die Tiere gewinnen). Mit seiner Oper "Die Überglücklichen" löste er einen Tumult unter Tierschützern aus, weil einige Fische zum Ensemble gehörten.

Wenn Andreas Dorau erzählt, dann sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. Und man durchlebt mit ihm einen Streifzug durch ddie deutsche Musik- und Unterhaltungsbranche, der sich gewaschen hat. Das liest sich natürlich besonders scharf durch die Brille von Sven Regener.

 

Galiani Berlin, geb., 192 S., 16,99 €

 

 

 

Jhumpa Lahiri: Das Tiefland

 

Nach sechs Jahren meldet sich die Autorin der wunderbaren Liebesgeschichte "Einmal im Leben" mit einem neuen Roman zurück.

Am Rande eines mit Wasserhyazinthen überwucherten, zu Monsunzeiten unter Wasser stehenden Tieflands in einem Vorort von Kalkutta wachsen die Brüder Subhash und Udayan Mitra auf. Sie sind unzertrennlich, aber auch sehr verschieden. Beide interessieren sich für Wissenschaft und Politik. Aber Shubash, der Pflichtbewusste, entzieht sich den wirren politischen Verhältnissen der sechziger Jahre und zieht in ein ruhiges Küstenstädchen in den USA, um sich dort der Wissenschaft zu widmen. Udayan hingegen lässt sich mit militanten Maoisten ein und riskiert alles für seinen Traum von einer gerechteren Welt, sogar sein Leben...

Dieser faszinierende Roman war in den angelsächsischen Ländern ein großer Bestseller. Lahiris Kunst liegt in der Verbindung von weiter Perspektive mit intimster persönlicher Geschichte. Sie ist eine literarische Meisterin, eine der faszinierendsten und erfolgreichsten Autorinnen in den USA von heute.

 

Rowohlt TB, 528 S., 10,99 €

 

 

Sibylle Berg: Der Tag, an dem meine Frau einen Mann fand

 

Kurzweilig, intelligent, witzig: Wirklich alles, was Sie schon immer über Sex wissen wollten.

Chloe und Rasmus sind seit fast zwanzig Jahren verheiratet, und ja, alles bestens, man hat sich entwickelt, man ist sich vertraut. Aber dass dieses Leben nun einfach so weitergehen soll, ist auch nicht auszuhalten. Rasmus will es noch einmal wissen: Eine neue Welt erobern, weit weg von zu Hause; zeigen, was er kann. Chloe ist immer bei ihm. Bis sie Benny trifft und sich noch einmal verliebt, wild und leidenschaftlich: Nicht an morgen denken, Sex die ganze Nacht, noch einmal jung sein, verdammt nochmal. Chloe erlebt den besten Sex ihres Lebens, und Rasmus die größte Katastrophe. Sibylle Berg stellt die Frage, die alle Paare irgendwann einmal beschäftigt: Ist Sex lebensnotwendig? Oder doch eher die Liebe?

 

dtv TB, 256 S., 9,90 €

 

 

Wolf Haas: Brennerova

 

Ob du es glaubst oder nicht. Zuerst wird der Brenner von einem Zehnjährigen bewusstlos geschlagen. Und dann versucht seine Freundin, ihn vor den Traualtar zu schleppen. Es läuft nämlich gerade ausgesprochen gut zwischen den beiden. Einziges Problem: Mit seiner anderen Freundin läuft es auch sehr gut. Da ist es für den Brenner ein Glück, dass noch eine dritte Frau in sein Leben tritt, indem sie verschwindet. Vermutlich ist sie von Mädchenhändlern entführt worden, und die Suche nach ihr hilft dem Detektiv, bei der Lösung seiner privaten Probleme, sprich Flucht in die Arbeit. Denn nie kannst du besser über das Glück nachdenken, das ein Ehering bietet, als wenn der berüchtigste Zuhälter der Stadt gerade dazu ansetzt, dir die Hände abzuhacken.

 

Heyne TB, 240 S., 9,99 €

 

 

Nic Pizzolatto: Galveston

 

Der in New Orleans und später in der texanischen Hafenstadt Galveston angesiedelte Roman von Nic Pizzolatto, dem Drehbuchautor der gefeierten HBO-Serie True Detective, schildert in der Tradition von Jim Thompson und Charles Willeford die Läuterung des Syndikat-Killers Roy Cady, dessen Leben eine abrupte Wendung nimmt, als ihm vormittags Lungenkrebs diagnostiziert wird und sein Boss ihn abends wegen einer Eifersuchtsgeschichte umlegen lassen will. Bei dem Anschlag rettet er nicht nur sich, sondern auch einen Teeenager, mit dem er sich fortan auf der Flucht befindet.

Pizzolatto belebt das Genre des Krimi Noir neu und schafft mit Roy Cady eine Figur, die die Genre-Stereotypen nicht nur aufbricht, sondern auch stilprägend werden könnte. Ein Antiheld, der im Scheitern zur wahren Größe findet. Eine Story, die bis zur letzten Seite fesselt: Pizzolatto hat mit "Galveston" ein großartiges, trauriges und kraftvolles Buch geschaffen, das lange nachklingt.

 

Blanvalet TB, 288 S., 8,99 €

 

 

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

 

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr. So genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie nochmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen. 

Eine einfache und tief bewegende Geschichte.

 

Goldmann TB, 192 S., 9,99 €

 

 

 

John Williams: Stoner

 

Stoner ist einer der grossen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird - es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.

Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen.

 

 dtv,  352 S., 9,90 €


 

Monika Held: Der Schrecken verliert sich vor Ort

 

Als Lena auf den Zeugen aus Wien trifft, weiß sie, dass sie diesen Mann festhalten muss. Auf den ersten Blick haben Lena und Heiner nicht viel gemeinsam. Sie träumt von Ferien in der Südsee. Heiner verbringt die Nächte mit den Schrecken von Auschwitz. Die beiden wagen diese Liebe. Lena fragt sich, ob sie die Welt, in der ihr Mann zuhause ist, je verstehen wird. Heiner fragt sich, wie er sein Trauma aus Bildern und Geräuschen möglichst vollständig in den Kopf seiner Frau übertragen kann und ob es eine Grenze gibt, bis zu der man Erfahrungen weitergeben kann. Sollte er sie finden, wird er sie einreißen.

Klug, berührend und mitreißend erzählt die Autorin und Journalistin Monika Held in ihrem großen Roman die Geschichte einer Liebe in den Zeiten nach Auschwitz.

 

Eichborn, geb., 271 S., 19,99 €

 

 

 

 

Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur

 

"Es ist vor allem dieses Gespräch mit einem Unbekannten, das mich aufrichtet. Ich erfahre: T. hat als einer der ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen.

Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter. Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur."

 

Rowohlt TB, 448 S., 10,99 €

 

 

 

 

Anna Funder: Alles, was ich bin

 

Drei Menschen, drei Schicksale, ein leidenschaftlicher Kampf für die Freiheit: 1935 werden in einem Londoner Hotelzimmer die bekannten deutschen Widerstandskämpferinnen Dora Fabian und Mathilde Wurm tot aufgefunden. Die Gestapo spricht von Selbstmord der beiden Frauen, die engstens mit dem charismatischen Revolutionär und Schriftsteller Ernst Toller bekannt waren. Von Hitlers Machtergreifung in Berlin an begleitet Anna Funder in ihrem großen Roman die Gruppe von Freunden, die über Nacht zu einer Bande Verfolgter wird. Sie fliehen nach London, wo sie neue Verbündete finden und große Gefahren auf sich nehmen, um den den Widerstand gegen die Nazis zu organisieren.

Packend und tief bewegend bringt Anna Funder Licht in eine der mysteriösesten Geschichten des Exils.

 

Fischer TB, 424 S., 9,99 €

 

 

 

 

 

Robert Seethaler: Der Trafikant

 

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verläßt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem Tabak- und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz.

 

Kein & Aber, Tb., 256 S., 9,90 €

 

 

 

 

Ian McEwan: Honig

 

Serena Frome ist schön, klug und schließt gerade ihr Mathematik-Studium in Cambridge ab - eine ideale Rekrutin für den MI5, den britischen Inlandsgeheimdienst. Man schreibt das Jahr 1972. Der Kalte Krieg ist noch lange nicht vorbei, und auch die Sphäre der Kultur ist ein umkämpftes Schlachtfeld: Der MI5 will Schriftsteller und Intellektuelle fördern, deren politische Haltung der Staatsmacht genehm ist. Die Operation trägt den Codenamen "Honig". Serena, eine leidenschaftliche Leserin, ist die perfekte Besetzung, um den literarischen Zirkel eines aufstrebenden jungen Autors zu infiltrieren. Zunächst liebt sie seine Erzählungen. Dann beginnt sie, den Mann zu lieben. Wie lange kann sie die Fiktion ihrer falschen Identität aufrechterhalten? Und nicht nur Serena lügt wie gedruckt.

 

Diogenes TB,  464 S., 11,90 €

 

 

 

 

Wolfgang Schorlau: Am zwölften Tag

 

Georg Denglers Sohn Jakob ist seit drei Tagen verschwunden. Seine geschiedene Frau macht Dengler die Hölle heiß. Aber nicht nur Jakob ist unauffindbar. Auch Laura Trapp, die in Jakobs Parallelklasse geht, sowie Julian und Tim, zwei seiner Freunde, sind verschwunden.

Georg Dengler, der Stuttgarter Privatermittler, macht sich auf die Suche. Er findet bei Jakob zu Hause Aufkleber, wie sie Unbekannte in den letzten Wochen auch in den Tiefkühltruhen von Supermärkten angebracht haben. "Dieses Fleisch stammt aus Massentierhaltung. Sie vergiften damit sich und ihre Familie", steht darauf. Auf Jakobs Computer findet er Fotos und Filme aus Hühner- und Putenmastanlagen. Ist sein Sohn ein radikaler Tierschützer geworden? Georg Dengler kommt den mörderischen Methoden von Massentierhaltung und Lebensmittelindustrie auf die Spur und lernt dabei seinen Sohn erst wirklich kennen.

 

Kiepenheuer & Witsch, Tb., 352 S., 9,99 €

 

 

 

Wolfgang Burger: Die dunkle Villa

 

Ein neuer Fall für den Heidelberger Kriminaloberrat Alexander Gerlach. Als er nach einem Sturz vom Rad im Krankenhaus erwacht, erinnert er sich schemenhaft daran, von einem Mann gestoßen worden zu sein. War es Fred Heergarden, der sich selbst vor einigen Tagen aufgebracht des Mordes an seiner Frau bezichtigt hatte? Deren Tod liegt bereits viele Jahre zurück, doch damals deutete nichts auf einen Mord hin. Ist etwas dran an Heergardens spätem Geständnis, und besteht tatsächlich ein Zusammenhang zu Gerlachs Unfall?

 

Piper, Tb., 352 S., 12,99 €

 

 

 

 

Eva Menasse: Quasikristalle

 

Was wissen wir wirklich über uns selbst? Und was vom anderen? In dreizehn Kapiteln zerlegt Eva Menasse die Biografie einer Frau in ihre unterschiedlichen Aspekte, zeigt sie als Mutter und Tochter, als Freundin, Mieterin und Patientin, als flüchtige Bekannte und treulose Ehefrau. Aus diesem Mosaik tritt auf magische Weise ein kühner Roman hervor, der wie nebenbei die Fragen nach Wahrnehmung und Wahrheit stellt. Zu Beginn ist Xane Molin vierzehn Jahre alt und erlebt mit ihrer besten Freundin einen dramatischen Sommer. Am Ende ist sie Großmutter und versucht, für den Rest des Lebenswegs das Steuer noch einmal herumzureißen. Dazwischen nähern wir uns ihr aus verschiedensten Blickwinkeln: Da ist ihr Vermieter, der sie misstrauisch beobachtet und eigene Geheimnisse hat, da ist der Überlebende eines Bürgerkriegs, der sich in sie verliebt, da ist die ungestüme Jugendfreundin, die Xane nach Jahrzehnten plötzlich nicht mehr zu ertragen glaubt. Eva Menasse hat einen unbestechlichen Blick für Frauen in der Gesellschaft, ihre menschlichen Schwächen und das, was man an ihnen lieben muss. Furchtlos und subtil erzählt sie von einer aberwitzigen Auschwitz-Exkursion, vom Arbeitsalltag einer Kinderwunschärztin oder von den Mutproben der pubertierenden Tochter in der Patchwork-Familie ihrer Heldin. Ein energisches Buch, poetisch, komisch und bestürzend, dessen Titel der Naturwissenschaft entliehen ist. Erst kürzlich wurde entdeckt, dass es nicht nur Kristalle mit klar symmetrischer, sondern auch mit scheinbar ungeordneter Struktur gibt. Genauso verhält es sich mit dem Lebensweg: Er ist verschlungen und schwer berechenbar und nur aus der Ferne als Ganzes erkennbar.

btb, 432 Seiten, € 9,99


John Lanchester: Kapital

 

Ein Roman, den man vom ersten Satz an vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen kann. Sofort verliebt man sich auf eigentümliche Weise in diese sehr eigenwilligen, schrulligen und teilweise eigentlich unausstehlichen Bewohner der Londoner Pepys Road, einer ehemaligen Arbeiterstraße. Die hat sich aber in den letzten Jahren zur absoluten In-Gegend gemausert, was nicht immer zu ihrem Vorteil ist, aber für den Leser doch sehr zum Schmunzeln.

Da ist der finanziell erfolgreiche Banker Roger mit einer absolut verwöhnten Ehefrau, der sich ganz sicher ist, dass er diesmal eine Jahresprämie von einer Million Pfund erhält. Als die Prämie jedoch wesentlich kleiner ausfällt, stürzt die Familie in eine Krise. Da wohnt die liebenswürdige Witwe Petunia, die schon in der Straße lebte, als diese noch eine Arbeiterstraße war. Und da ist der pakistanische Kioskbesitzer, der plötzlich unter Terrorverdacht  steht, und die ungeliebte nigerianische Politesse ohne Arbeiterserlaubnis. Alle wird man lieben und in sein Herz schließen.

 

Heyne TB, 800 S., 11,99 €

 

Gaito Gasdanow: Das Phantom des Alexander Wolf

 

Ein ehemaliger Weißgardist erinnert sich an ein tragisches Erlebnis im Bürgerkrieg in Russland, als er einen Reiter niederschoss. Jahre später, im Exil in Paris, findet er den Vorfall in einem Buch beschrieben. Er versucht den Autor namens Alexander Wolf zu treffen, doch stattdessen begegnet er der rätselhaften Jelena und verliebt sich in sie.

In einem brillanten Spannungsbogen erzählt Gaito Gasdanow, der mit Nabokov, Proust und Camus verglichen wurde, diesen 1947 erschienenen Roman, im dem Liebe und Tod aufs engste verwoben sind.

 

dtv, 192 S., 9,90 €

 


Wolf Haas: Verteidigung der Missionarsstellung

 

"Als ich mich das erste Mal verliebte, war ich in England, und da ist die Rinderseuche ausgebrochen. Als ich mich das zweite Mal verliebte, war ich in China, und da ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Und drei Jahre später war ich das erste registrierte Opfer der Schweinegrippe. Sollte ich je wieder Symptomevon Verliebtheit zeigen, musst du sofort die Gesundheitspolizei verständigen, versprich mir das."

Gegen das Verlieben kämpft Benjamin Baumgartner einen aussichtslosen Kampf. Diese Seuche bringt ihn um den Verstand. Mit Kopfverdrehen fängt es an. Mit Gehirnerweichung geht es weiter. Und das Schlimmste daran: Der Patient infiziert auch noch seinen Autor.

 

dtv TB, 240 S., 9,95 €

 

Merle Kröger: Grenzfall

 

Deutschland 1992. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet fallen in den frühen Morgenstunden plötzlich Schüsse. Zwei Menschen sterben im Weizenfeld. Mord oder fahrlässige Tötung? Erst Jahre später kommt es zur Gerichtsverhandlung. Die Schützen werden freigesprochen.

Wir schreiben das Jahr 2012. In Rumänien kämpft die Wanderarbeiterin Adriana ums Überleben ihrer Familie und fasst einen verzweifelten Entschluss: Sie reist nach Deutschland und fordert Entschädigung für den Tod ihres Vaters. Doch die Sache läuft anders als geplant: Adriana landet in Untersuchungshaft. Sie wird beschuldigt, den Schützen von damals erstochen zu haben. Die Berliner Roma-Community schickt ihre Juristin Mattie Junghans als Rechtsbeistand. Aber Adriana vertraut der deutschen Anwältin nicht.

 

Argument Verlag, TB, 374 S., 11 €

 

 

 

 

Michela Murgia: Accabadora

 

Ein sardisches Dorf, Mitte der fünfziger Jahre: Als Dorfschneiderin ist Bonaria gewöhnt, Maß zu nehmen – mit ihren Augen, ihrem Verstand und dem Herzen. Die kleine Maria, die sie als „fill'e anima“, Kind des Herzens, aufnimmt, ist ihr ganzes Glück. Manchmal hört Maria ihre Ziehmutter, die Accabadora, wie sie sich nachts aus dem Haus stiehlt, und am nächsten Tag läutet die Totenglocke. Als Bonaria Jahre später im Sterben liegt, hält die alte „Schuld“ sie unbarmherzig ans Leben gefesselt, und Maria steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens.

Aus dem Italienischen von Julika Brandestini.

 

dtv Taschenbuch, 176 Seiten, 8.90 €   

 

 

Elisabeth Strout: Mit Blick aufs Meer

 

Crosby, eine kleine Stadt an der Küste von Maine. Hier ist nicht gerade sehr viel los. Doch sieht man einmal genauer hin, ist jeder Mensch eine Geschichte und Crosby die ganze Welt. Elizabeth Strout fügt diese Geschichten mit liebevoller Ironie und feinem Gespür für Zwischenmenschliches zu einem unvergesslichen Roman.

 

btb, TB, 352 S., 9,99  €

 

 

 

Astrid Rosenfeld: Adams Erbe

 

Berlin, 2004. Edward Cohen, Besitzer einer angesagten Modeboutique, hört seit seiner turbulenten Kindheit immer wieder, wie sehr er Adam gleicht - seinem Großonkel, den er nie gekannt hat, dem schwarzen Schaf der Familie. In dem Moment, in dem Edwards Berliner Leben in tausend Stücke zerbricht, fällt ihm Adams Vermächtnis in die Hände: ein Stapel Papier, adressiert an eine gewisse Anna Guzlowski.

Adam Cohen ist ein Träumer. Aber er wächst als jüdischer Junge in den dreißiger Jahren in Deutschland auf, und das ist keine Zeit zum Träumen. Selbst wenn man eine so exzentrische Dame wie Edda Klingmann zur Großmutter hat. Als Adam mit achtzehn Anna kennenlernt, weiß er, wovon seine Träume immer gehandelt haben. Doch während die Familie Cohen die Emigration nach England vorbereitet, verschwindet Anna in der Nacht des 9. Novembers 1938 spurlos. Wo soll Adam sie suchen?

Sechzig Jahre später liest Edward atemlos Seite um Seite und erfährt, wie weit Adam auf seiner Suche nach Anna gegangen ist...

Bewegend und mit unerschrockenem Humor erzählt Astrid Rosenfeld von Schicksalen und großen Gefühlen und davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart durchdringt.

 

Diogenes TB, 400 S., 11,90 €

 

 

   

Wolfgang Herrndorf: Tschick

 

Wenn man keinen Spitznamen hat, kann es zwei Gründe dafür geben: Entweder man hat keine Freunde oder man ist langweilig. So sieht das zumindest Maik Klingenberg, vierzehnjähriger Schüler eines Gymnasiums in Berlin-Marzahn. Die Dinge verändern sich für ihn erst, als der aus Russland kommende Tschick in der Klasse aufkreuzt.

Eine grandiose Geschichte, gleichermassen spritzig, witzig, grotesk und melancholisch erzählt.

 

Rowohlt, TB,  256 S., 8,99 € 

 

 

 

 

 Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf

 

»Wir haben hier noch kein menschliches Schicksal, wir müssen es uns erst noch erarbeiten«, sagt Ildikos Mutter. Längst ist die Familie eingebürgert und betreibt ein Café in bester Seelage. Doch angekommen sind sie nicht, die beiden Töchter Ildiko und Nomi wachsen zwischen zwei Welten auf, sind hin- und hergerissen zwischen der verlorenen Heimat in der Vojvodina und dem Wunsch, Teil der Schweizer Gesellschaft zu sein. Es dauert lange, bis Ildiko erkennt, dass hinter dem Schweizer Idyll knallharte Fremdenfeindlichkeit lauert. Ein höchst zeitgemäßer Text über Emigration und den Preis der Assimilation.

Melinda Nadj Abonji, geboren 1968 in Becsej, Serbien, zog 1973 mit ihrer Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz. Sie studierte an der Züricher Universität und ist seit vielen Jahren als Schriftstellerin und Musikerin .

Ihr 2010 erschienener Roman Tauben fliegen auf wurde sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Melinda Nadj Abonji lebt in Zürich.

 

dtv, 390 S., 9,90 €

 

 

 

David Benioff: Stadt der Diebe

 

Ein Dutzend frische Eier braucht der Oberst für

die Hochzeitstorte seiner Tochter. Eigentlich

kein schwieriges Unterfangen, es sei denn man

befindet sich 1942 im eingekesselten und von

Kälte und Hunger geplagten Leningrad.

Benioff legt mit "Stadt der Diebe" einen fesselnden

und zugleich komischen Entwicklungsroman über

zwei ungleiche Freunde vor und beschreibt dabei

schonungslos Brutalität und Irrsinn des Zweiten

Weltkrieges.

 

Heyne TB, 384 S., 9,95 € 

 

 

 

Oliver Schmidt: Moderne Kellertechnik

 

 

Alles Wissenswerte über Kellertechnik vom

Lieblingswinzer <3

 
 
 
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